Leben mit Enkeln: Freuden und Grenzen

Wenn die Enkelkinder zu Besuch kommen, ist das Haus voller Liebe, Wärme und Lachen. Aber auch voller Chaos, Lärm und Toberei.

Corinna ist dreifache Oma. Sie liebt ihre Enkel über alles und genießt jeden Augenblick mit ihnen. Doch sie spürt auch die Anstrengung, die die gemeinsame Zeit mit den Kleinen mit sich bringt. In diesem ehrlichen Text beschreibt sie ganz offen, wie sie es schafft, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Und wie sie Grenzen setzt, wenn es ihr mit den Enkelkindern zu wild wird. Geschrieben hat sie den Text an einem Sonntagabend – nachdem zwei ihrer drei Enkelkinder das ganze Wochenende bei ihr waren.

Oh ja, wir lieben unsere Enkel über alles und freuen uns riesig auf die gemeinsame Zeit. Und ich bin ehrlich: Am liebsten habe ich sie ganz ohne Eltern bei uns. Wir verstehen uns bestens mit unseren Kindern, aber nur die Enkel allein am Wochenende – das ist für mich als Oma Leben, Lieben, Spielen, Lachen, Toben, Freuen, Süßes sündigen, Kreativität und sich einfach wunderbar jung fühlen. Und ja, manchmal auch ganz schön alt.

„Ich vermisse sie jedes Mal, obwohl sie noch nicht vom Hof sind.“

Es ist erstaunlich, wie fit ich trotz Arthrose mit den Lütten auf dem Boden kraxeln und auch hinterlaufen kann. Spüren tue ich meine Knochen dann spätestens nach der Abfahrt der Enkel.
Und mir wird bewusst, warum wir in unserem Alter (62 und 70) nicht jeden Tag die süße Horde um uns haben können.
Auch der alte Spruch „Das Beste an Enkeln ist, dass man sie wieder abgeben kann“, erscheint mir gar nicht mehr sooo böse. Und dennoch: Ich vermisse sie jedes Mal, obwohl sie noch nicht vom Hof sind. Wie schön, dass wir uns sooft sehen können!

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„Waren unsere Kinder früher pflegeleichter?“

Wir haben die besten und liebsten Enkelkinder der Welt. Jedes für sich ist einzigartig und einfach toll! Und ja, ich bin mir sicher, dass ich heute noch mehr Verständnis und Toleranz für Trotzanfälle habe. Ich lese mich auch in die Erkenntnisse der modernen Erziehung ein.

Trotzdem ist es manchmal einfach anstrengend, wie stringent das Anziehen oder die gemeinsame Mahlzeit verweigert wird. Waren unsere Kinder früher einfach pflegeleichter mit drei und sechs Jahren?

Unsere Töchter sind beide wunderbar gelungen, wir haben sicher vieles richtig gut gemacht. Und doch wird heute einiges anders praktiziert und ich möchte ja mit und nicht gegen die Eltern agieren. Ja, ich möchte es allen gegenüber richtig machen, vor allem den Lütten gegenüber. Das kennen sicher alle Omas mal mehr und mal weniger.

Oma, gönne dir zwischendurch Pausen!

Das Vertrauen der Kinder, uns nun ihre Kinder anzuvertrauen, weiß ich sehr zu schätzen. Und wie schön ist es, dass ich langsam lerne (auch durch meinen geduldigeren, lieben Mann) meine Bedürfnisse nicht ganz hintenan zu stellen. Statt nonstop 72 Stunden für die Enkel parat zu stehen und nach dem Wochenende regelrecht platt zu sein, gibt es jetzt auch mal Pausen zwischendurch für mich.
Ich gehe mit der Lütten bewusst gemeinsam zu Bett, so komme ich auf genügend Schlaf und genieße es ja auch zu kuscheln. Ich setzte durch, dass auch gemeinsam aufgeräumt wird und nicht Oma oder Opa alles hinterher erledigen. Zu zweit können wir uns natürlich auch prima aufteilen.

„Ich lerne mich selbst besser kennen.“

Heute haben beide (6+3) zum ersten Mal ganz allein oben im Haus gespielt (wir leben eigentlich unten im Haus). Ich war sehr stolz auf mich, dass ich nicht gleich nachgeschaut habe.

Der vorsichtige Opa hat an der Treppe eine Sperre aufgebaut und ich habe gelauscht und vertraut. Ja, ich lerne jedes Mal auch mich besser kennen und zu verstehen und übe mich im Loslassen. Wunderbare Erfahrungen. Und ich erlaube mir auch, ganz bewusst NEIN zu sagen, wenn ich es zu gefährlich finde, zum Beispiel an der Straße zu spielen.
Es ist einfach mein Bedürfnis und das formuliere ich konkret. Da gibt es kein Pardon. Die Mischung macht es und die ist eben nicht immer leicht zu finden. Das kennen wir alle.

Nach einem Wochenende mit den Enkeln darf man erschöpft sein!

Das Wochenende mit den Enkelkindern ist nun vorbei.
Ich gönne mir heute einen ruhigen Abend, ich darf erschöpft sein. Und ich freue mich schon auf die entzückende Horde beim nächsten Mal.

Fotos: Evgeny Atamanenko/shuttersock.com